top of page

„Ending up in the wrong way" von Richard Green

  • Autorenbild: CARL
    CARL
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit
Credit: Richard Green
Credit: Richard Green

Richard Greens „Ending up in the wrong way" entfaltet sich wie ein Zwielicht-Geständnis, das durch Elektronik und Atem gehaucht wird. Der in Mailand geborene und in London lebende Komponist kanalisiert seinen Hintergrund in elektronischer und experimenteller Produktion in ein Werk, das zugleich intim und weitläufig wirkt. Schon in den ersten Takten entsteht ein Gefühl schwebender Bewegung flirrende Klangtexturen legen sich unter eine sehnsuchtsvolle Melodielinie, als würde die Erinnerung selbst versuchen, Halt zu finden. Die Zusammenarbeit mit Violine und Saxofon ist dabei weit mehr als schmückendes Beiwerk; sie verleiht dem Stück eine organische Wärme, die im spannenden Kontrast zur kühlen Präzision der elektronischen Elemente steht. Im emotionalen Kern ist die Single von der leisen Wehmut einer Liebe durchzogen, die sich zu früh auflöste. Anstatt Herzschmerz dramatisch auszuschmücken, wählt Richard einen zurückhaltenden, nuancierten Zugang.


Der Titel deutet auf ein Verirren hin, auf die stille Erkenntnis, dass manche Beziehungen nicht mit einem Knall enden, sondern mit Unvermeidlichkeit. Die führende Melodie trägt diese Schwere eindrucksvoll sie verweilt, biegt sich, scheint beinahe zu zögern, als wolle sie die Wahrheit, die sie transportiert, nicht ganz akzeptieren. Gerade diese melodische Verletzlichkeit hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Besonders hervorzuheben sind die instrumentalen Darbietungen. Die Violine zieht sich wie eine zerbrechliche Erinnerung durch das Arrangement zart, aber bestimmt, während das Saxofon eine rauchige, nächtliche Nachdenklichkeit einbringt. Ihr Zusammenspiel wirkt wie ein menschlicher Dialog voller Reflexion. Die Produktion bleibt dabei bewusst offen und klar strukturiert, niemals überladen.


Jede Klangschicht erhält ihren Raum, sodass man tief in die emotionale Atmosphäre eintauchen kann, die Richard erschafft. Greens künstlerischer Werdegang verleiht dieser Veröffentlichung zusätzliche Tiefe. Seit seinem Umzug nach London im Jahr 2012 und dem Abschluss eines höheren Diploms sowie eines Musikstudiums an der Gitarre hat er sein kreatives Spektrum stetig erweitert. Von der düsteren Experimentierfreude von Dark Horses bis zur eleganten Raffinesse der EP A Journey entstanden in Zusammenarbeit mit der Pianistin Irene Veneziano und dem Archimia Strings Quartet zeigt er eine furchtlose stilistische Vielfalt.


Seine Trilogie, abgeschlossen mit First Light (2024), offenbart einen Komponisten, der mühelos neoklassische, jazzige, ambienthafte und elektronische Elemente miteinander verbindet. Mit „Ending up in the wrong way" beweist Richard Green erneut, wie eindrucksvoll sich persönliche Erfahrungen in eindringliche Klanglandschaften verwandeln lassen. Die Single setzt nicht auf kurzfristige Trends oder plakative Refrains, sondern lädt zur stillen Kontemplation ein. Es ist Musik für reflektierende Abende, für Momente, in denen Stille zu schwer wird und Worte nicht ausreichen. In der Verbindung aus technischer Finesse und emotionaler Authentizität schafft Richard ein Werk, das leise wirkt und gerade deshalb umso tiefer nachhallt.



SCHRIFTSTELLER: Carl

 
 
 

Kommentare


©2024 MUSIK GALAXIE

bottom of page