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„Island Poetry" von Mad Painter

vor 20 Stunden
2 Min. Lesezeit

Mad Painter – „Island Poetry". Es hat etwas wunderbar Unbeugsames, wenn eine Band Rockmusik macht, ohne zu vergessen, wo einige ihrer größten Traditionen ihren Ursprung haben. Mit „Island Poetry" tauchen die Bostoner Mad Painter tief in den eigenwilligen Geist des Rock der 1970er-Jahre ein und verleihen ihren Einflüssen gleichzeitig so viel Persönlichkeit, dass sie nicht wie eine musikalische Museumsführung, sondern wie eine lebendige Klangwelt wirken. Im Zentrum des kommenden Albums steht die Hammondorgel, die selbstbewusst in den Vordergrund gerückt wird und von E-Gitarren, Klavier, Bass, Schlagzeug und vielschichtigen Gesangsharmonien umgeben ist. Das Ergebnis klingt warm, kraftvoll und ausgesprochen organisch. Mad Painter legen offensichtlich großen Wert auf das Zusammenspiel echter Musiker und lassen ihren Arrangements Raum zum Atmen, anstatt jede kleine Unebenheit durch übermäßige Studiobearbeitung zu glätten. Besonders spannend an Island Poetry ist seine stilistische Vielfalt.


Jeder Song nähert sich dem klassischen Rockvokabular der Band aus einer anderen Perspektive. „Debt Collector“ und „Suit of Worries“ besitzen die Schwere und keyboardgetriebene Intensität, die man mit Deep Purple verbindet, während „Empty Bottles“ in Richtung geradlinigen Boogie-Rocks marschiert. An anderer Stelle sorgt „Spin Your Ventilator“ mit seinem direkten, druckvollen Angriff für zusätzliche Härte, während „Last Night You Dreamed I Was in Love with Someone Else“ stärker auf große Melodien und emotionale Weite setzt. Das Album verändert seine Gestalt immer wieder, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. „Nektarized“ öffnet die Tür zu einer kosmischen, tanzbaren Atmosphäre, „Shadow of the Words“ entwickelt eine theatralische Größe, während „Two Horsemen“ den Gitarren Raum für ausgedehnte, miteinander verflochtene Klangbilder gibt. „I Am the King“ schlägt einen atmosphärischeren Weg ein, wohingegen „Stand Your Ground“ mit höherem Tempo und aggressiverer Energie aufwartet.



Mit „Circle of Hands“, Mad Painters eigener Interpretation des Uriah-Heep-Klassikers, wird zudem die enge Verbindung der Band zu dieser musikalischen Ära unterstrichen. Doch „Island Poetry" ist keineswegs nur eine Sammlung stilistischer Übungen. Sechs Stücke enthalten Texte des Schriftstellers und Musikjournalisten Dmitry M. Epstein, dessen Worte dem Album Witz, Charakter und eine lebendige erzählerische Dimension verleihen. Gleichzeitig führt „Tommy Lost It All“ zurück zu Mad Painters ganz eigener musikalischer Handschrift. Angeführt von Alex Gitlin und ergänzt durch Schlagzeuger Al Hendry, Bassist Kenne Highland, Gitarrist Al Naha sowie die Background-Sängerinnen Sharon Crumrine und Julie Gee, wissen Mad Painter genau, dass klassischer Rock vor allem dann funktioniert, wenn er lebendig klingt.


Ihre Musik ist gemacht, um Bewegung auszulösen: kraftvoll genug, um einen Raum zum Beben zu bringen, melodisch genug zum Mitsingen und theatralisch genug, um einen Live-Auftritt zu einem echten Erlebnis zu machen. Letztlich überzeugt „Island Poetry", weil Mad Painter nicht einfach zurückblicken. Sie nehmen die Farben, Texturen und den musikalischen Anspruch des Vintage-Rock und verwandeln sie in etwas Energiegeladenes und Zeitgemäßes. Für alle, die glauben, dass eine Hammondorgel, eine Wand aus Gitarren und eine starke Melodie noch immer Aufmerksamkeit verdienen, verspricht dieses Album eine besonders mitreißende Rückkehr zum großformatigen Geist des Rock.





SCHRIFTSTELLER: Carl

 
 
 

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