top of page

„Problematic" von Motihari Brigades

  • Autorenbild: CARL
    CARL
  • 25. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Manche Alben wollen einfach nur unterhalten. Andere kommen mit aufgekrempelten Ärmeln daher und fordern den Hörer heraus. Motihari Brigades „Problematic" gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Das dritte Album der Band, veröffentlicht am 25. Juni 2026, verwandelt Rockmusik in ein unruhiges Forum für kritisches Denken, den Umgang mit Technologie und die widersprüchlichen Seiten des modernen Lebens. Die Identität der Band ist eng mit ihrem intellektuellen Antrieb verbunden. Benannt nach Motihari in Indien dem Geburtsort von George Orwell verkörpert das Projekt eine besondere Philosophie, die es als „Rock-n-Roll Thoughtcrime“ bezeichnet. Diese Idee zieht sich wie ein elektrischer Strom durch das gesamte Album. Gitarrist, Sänger und Songwriter Eric Winston verbindet ausdrucksstarke Gitarrenarbeit, kraftvolle Rhythmussektionen und pointiertes Songwriting zu einer Musik, die sich nicht einfach im Hintergrund abspielen lässt. Problematic verlangt Aufmerksamkeit.


Der Titelsong eröffnet diese Haltung unmittelbar und etabliert den zentralen Konflikt des Albums: unabhängiges Denken gegen Systeme, die beeinflussen, was Menschen sehen, glauben und konsumieren. Anschließend führt Motihari Brigade durch eine dystopische Landschaft voller künstlicher Intelligenz, Propaganda, Zensur, Militarismus und digitaler Ablenkung. Trotz dieser ernsten Themen wirkt das Album jedoch nie freudlos. Eine freche, ironische Energie durchzieht die Songs und verleiht der Gesellschaftskritik eine unterhaltsame Schärfe.

„Chatbot Don’t Like It“ beschäftigt sich auf spielerische Weise mit dem zunehmend komplizierten Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, während „Save Ourselves“ die Diskussion in philosophischere Gefilde führt. „Not What They Seem“ setzt diese Unsicherheit fort und vermittelt das Gefühl, durch eine Welt zu navigieren, in der Erscheinungen nicht mehr selbstverständlich der Wahrheit entsprechen.



Besonders ambitioniert wird das Album mit „The Hubris March“, einer miteinander verbundenen Sequenz aus „Heedless Of The Storm“ und „Ten Years Time“. Hier erweitert Motihari Brigade sein Rock-Repertoire zu einer Art Miniatur-Rocktheater, das den zerstörerischen Kreislauf von Konflikten und deren Folgen nachzeichnet. Das verzerrte Gitarren-Grollen von „Guitar Bombs“ sorgt für einen beunruhigenden Übergang, bevor die Band mit ihrer kraftvollen Interpretation von „Fortunate Son“ von Creedence Clearwater Revival noch einmal deutlich Stellung gegen Militarismus bezieht. „Pleasure Craft“ widmet sich unterdessen einer anderen Form moderner Gefangenschaft: permanenter Unterhaltung und unmittelbarer Befriedigung. Der Song deutet an, dass Kontrolle nicht immer durch Angst entsteht manchmal kann sogar Bequemlichkeit zum Gefängnis werden.


Mit „Problematic (Reprise)“ kehrt das Album schließlich zu seinem Ausgangspunkt zurück, bevor „Someone’s Dream“ für einen atmosphärischen Abschluss sorgt. Eingebettet in eine unheimliche, beinahe kosmische Klanglandschaft lässt der letzte Song das Album zwischen Erinnerung, Vergänglichkeit und dem Wunsch schweben, etwas Bleibendes zu hinterlassen. „Problematic" ist letztlich mehr als eine Sammlung von Rocksongs. Es ist eine Provokation, verpackt in Gitarrenriffs, Grooves und schwarzen Humor. Motihari Brigade stellt unbequeme Fragen, ohne so zu tun, als hätte die Band auf alles eine Antwort. In einer Zeit, die zunehmend von Algorithmen und schnellen Meinungen geprägt wird, wirkt dieser Impuls bemerkenswert aktuell.





SCHRIFTSTELLER: Carl


 
 
 

Kommentare


©2024 MUSIK GALAXIE

bottom of page