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„Taurine“ von SHASAU

  • Autorenbild: CARL
    CARL
  • 24. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit
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SHASAU’s „Taurine“ öffnet sich wie eine Tür in eine angehaltene Zeit, in der Bewegung optional erscheint und Dringlichkeit leise verblasst. Das Video entfaltet sich mit einer ruhigen, beinahe tranceartigen Geduld und lädt dazu ein, das endlose Scrollen zu unterbrechen und einfach im Moment zu verweilen. Statt Aufmerksamkeit einzufordern, zieht es sie sanft an und nimmt den Blick mit in eine langsam fließende visuelle Strömung, die zugleich intim und weit wirkt. Visuell bewegt sich das Werk zwischen Abstraktion und bewusster Gestaltung. Formen scheinen sich wie lebendig zu entwickeln und deuten auf algorithmische Ursprünge hin, ohne den klaren menschlichen Eingriff zu verlieren.


Es entsteht eine ästhetische Spannung zwischen potenziell endloser Generierung und gezielter Zurückhaltung. Irgendwo in diesem sich wandelnden Bildraum wartet ein kleines, spielerisches Detail darauf, entdeckt zu werden eine subtile Erinnerung daran, dass Geduld belohnt wird. Klanglich spiegelt „Taurine“ diese Bildwelt mit minimalistischer Präzision wider. Die Musik drängt nicht vorwärts; sie atmet, pulsiert und kreist sanft, wodurch ein Raum entsteht, in dem Gedanken frei treiben können. Es ist Klang, der nicht stimulieren, sondern entlasten will ein weicher Landeplatz fernab des Alltagslärms. Jeder Ton wirkt bewusst gesetzt, als wäre auch die Stille Teil der Komposition. Hinter SHASAU steht Vadim Militsin, ein seit Langem etablierter Produzent, dessen Geschichte des Experimentierens in jedem Bild und jeder Frequenz spürbar ist.

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Seine tiefe Vertrautheit mit analogen Traditionen ebenso wie mit digitalen Grenzbereichen verleiht dem Projekt eine zeitlose Qualität. Obwohl künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielt, wirkt das Ergebnis weder kühl noch mechanisch, sondern trägt die Handschrift jahrzehntelanger Entwicklung von Geschmack, Technik und künstlerischer Neugier.

„Taurine“ versteht sich letztlich als leiser Gegenentwurf zur Kultur des schnellen Konsums. Es verlangt nichts weiter als ein paar ungeschützte Minuten und schenkt dafür Ruhe. Dies ist kein Video zum Überfliegen oder Nebenbei-Schauen, sondern eines zum Verweilen ein audiovisueller Pausenknopf, der daran erinnert, wie kraftvoll Stille sein kann, wenn sie mit Sorgfalt gestaltet wird.



SCHRIFTSTELLER: Carl

 
 
 

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