„Ǣfendrēama: Four Songs for Christmastime„ von Hilgrove Kenrick
- CARL

- 24. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Hilgrove Kenricks „Ǣfendrēama: Four Songs for Christmastime„ öffnet ein akustisches Fenster in eine erleuchtete Winterwelt, in der jede Note wie im kalten, kathedralenartigen Raum kristallisiert scheint. Schon mit dem ersten, luftigen Anschwellen von „Winter’s Breath“ wird der Zuhörer eingeladen, einen Raum zu betreten, der gleichzeitig intim und grandios wirkt, in dem der Klang menschlicher Stimmen wie Sonnenlicht über Frost schimmert. Kenricks Hintergrund als Chorknabe und filmischer Komponist ist hier deutlich spürbar – jeder Akkord, jede harmonische Schichtung scheint bewusst gestaltet, um ebenso Bilder wie Emotionen hervorzurufen. Das EP vermittelt sofort eine Atmosphäre, die nachdenklich, ehrfürchtig und leise magisch ist. Die Handwerkskunst hinter den Chorarrangements ist in ihrem Detailreichtum beeindruckend. Die Stimmen von Ǣfendrēama verschmelzen so präzise, dass die Musik fast unabhängig von ihren Interpreten zu schweben scheint und das Gefühl einer lebendigen, atmenden Winterlandschaft erzeugt. Die Leitung von Chloe May Evans stellt sicher, dass jede Sektion Sopran, Alt, Tenor und Bass – ihre eigene Klarheit behält und gleichzeitig nahtlos in das größere harmonische Gefüge integriert wird.
Die Einbindung der Orgel und des Spatial Audio verstärkt die immersive Qualität, sodass die alten Steinmauern von Leominster Priory fast wie ein fünfter Musiker wirken. Es ist ein Erlebnis, das tiefes Zuhören belohnt, bei dem jede subtile Veränderung im Klang oder in der Resonanz zur Reflexion einlädt. „Was dieses EP besonders macht“, spürt man beim Hören von Stücken wie „Here is the Man“, „When They Saw the Star“ und „I Wonder as I Wander“, „ist das Gleichgewicht zwischen heiliger Ernsthaftigkeit und filmischer Dramatik.“ Kenricks Kompositionen wirken nie statisch; sie entfalten sich langsam wie eine Geschichte in Gletscherbewegung, sodass der Zuhörer sowohl die Musik als auch den Moment einnehmen kann. Es liegt eine stille Theatralik in den Auf- und Abschwüngen der Chöre, in der Art, wie Solostimmen aus dem kollektiven Aufschwung hervortreten und das Ohr durch eine Erzählung führen, die zugleich spirituell und sinnlich ist. Jedes Stück fühlt sich wie eine kleine Pilgerreise an, mit Pausen, die zur Reflexion einladen, und Crescendi, die die Geduld des Zuhörers belohnen. Die Aufnahmeumgebung hebt das EP auf eine weitere Ebene emotionaler Resonanz.

Die 900 Jahre alten Priory-Mauern liefern natürliche Nachhallzeiten und subtile harmonische Färbungen, sodass Kenricks räumliches Mixing die Wärme des Chores noch betont. „Winter’s Breath“ zeigt dies eindrucksvoll: Der Klang scheint durch die Luft zu schweben, verweilt genau lange genug, um fast greifbar zu wirken, und schafft ein feines Zusammenspiel zwischen menschlicher Darbietung und architektonischer Akustik. Dieses Raumgefühl, das die Musik in Echtzeit atmen lässt, ist ein Markenzeichen von Kenricks akribischem Ansatz und unterscheidet das EP von digital polierten, studiogebundenen Produktionen. Emotional ist das EP eine Studie in Kontrast und Kohärenz. Vom stillen, meditativen Auftakt bis zum leuchtenden Aufschwung von „When They Saw the Star“ erlebt man eine Reise von ruhiger Introspektion zu sanfter Erhebung. Kenrick und Evans schaffen es, den Geist der Saison heraufzubeschwören, ohne sich auf Klischees zu stützen, sodass jedes Stück persönlich und zeitlos wirkt.
Der Zuhörer erlebt eine seltene Kombination aus heiliger Ehrfurcht und filmischer Dramatik, eine Vereinigung, die selbst wiederholtes Hören belohnt. Jeder Akkordwechsel, jeder stimmliche Einsatz, jeder subtile Orgelanschlag ist mit Absicht gesetzt, sodass ein tiefes emotionales und spirituelles Kontinuum über die vier Stücke hinweg entsteht. Letztlich ist „Ǣfendrēama: Four Songs for Christmastime" mehr als eine Weihnachtssammlung es ist eine meditative Expedition in die Texturen, Harmonien und spirituelle Resonanz der Wintermusik. Kenricks Verschmelzung von filmischer Sensibilität mit choraler Tradition schafft ein Hörerlebnis, das immersiv, reflektierend und leise transformierend wirkt. Ob als Begleitung für kontemplative Winterabende oder als Genuss der ätherischen Schönheit live gesungener Chormusik dieses EP liefert auf jeder Ebene. Es ist ein leuchtendes Zeugnis für die Kraft von Stimme, Raum und Jahreszeit und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, der weit über den letzten Ton hinaus wirkt.
SCHRIFTSTELLER: Carl





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