„Counting of the Coup" von J Dulva
- CARL

- 23. Mai
- 2 Min. Lesezeit

„Counting of the Coup" fühlt sich an wie der Moment, in dem Musiker einen Raum betreten, sich kurz ansehen und sich ganz auf ihr Gespür verlassen. Statt wie ein sorgfältig auf Hochglanz poliertes Studioalbum zu wirken, lebt dieses Werk von seiner unmittelbaren Energie und trägt vom ersten Augenblick an den Herzschlag einer Band in sich, die Chemie höher bewertet als Perfektion. Live während der langjährigen Residency der Gruppe im Südwesten Louisianas aufgenommen, atmet jeder Song jene Unvorhersehbarkeit, die nur echte Live-Performances hervorbringen können. Unter der Oberfläche dieser Stücke pulsiert eine Spannung, die sich nicht künstlich erzeugen lässt. Kleine Unregelmäßigkeiten werden zu Stärken, spontane Richtungswechsel zu einem Teil der erzählerischen Kraft. Die Musiker wirken niemals von übertriebener Präzision eingeengt. Stattdessen bewegen sie sich wie Menschen in einem Gespräch, die Ideen, Gefühle und Melodien mit einer Selbstverständlichkeit austauschen, die nur durch jahrelanges gemeinsames Musizieren entstehen kann.
Im Zentrum steht J Dulva mit einer Präsenz, die kraftvoll ist, ohne sich aufzudrängen. Seine Stimme besitzt eine raue Ehrlichkeit, die sich mühelos mit ausdrucksstarken Gitarrenlinien und Harmonika-Passagen verbindet, die wie aufziehende Wetterfronten durch die Songs ziehen. Um ihn herum arbeitet Counting Coup mit bemerkenswerter Geschlossenheit. Missy Benoits Keyboardflächen und Gesang verleihen den Arrangements Wärme und zusätzliche Tiefe, während Steve Benoits Bass ein stabiles Fundament schafft. Peyton Soileaus Gitarrenspiel bringt Bewegung und Charakter ein, Mike Picou erweitert die Klangwelt durch Gesang und Harmonika, und Bernard Browns Schlagzeug verleiht den Liedern einen natürlichen Puls statt eines mechanischen Taktes. Auch die erzählerische Seite gehört zu den größten Stärken des Albums. „Rico Gillette“ zeichnet das Bild einer Figur, die langsam in die dunkleren Ecken des Lebens hineingezogen wird und dabei eine Atmosphäre voller Spannung und Neugier entstehen lässt.

„The Valley Below“ schlägt dagegen eine fast mythische Richtung ein und entfaltet eine filmische Stimmung voller Schatten und Geheimnisse. Diese Stücke erzählen ihre Geschichten nicht einfach sie erschaffen Welten, in die man eintauchen kann. Letztlich liegt die besondere Kraft von „Counting of the Coup" darin, dass das Album keine künstliche Perfektion anstrebt. Es setzt auf Spontaneität, Menschlichkeit und die Magie von Musikern, die im Augenblick miteinander reagieren. Das Ergebnis wirkt weniger wie eine gewöhnliche Aufnahme als vielmehr wie das Gefühl, zufällig einen Raum zu betreten, in dem gerade etwas Unvergessliches geschieht.
SCHRIFTSTELLER: Carl





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