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„LIQUID. LATEX. DISCO. DADDY." von The New Citizen Kane

  • Autorenbild: CARL
    CARL
  • vor 6 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

„LIQUID. LATEX. DISCO. DADDY.“ von The New Citizen Kane wirkt wie ein Abstieg in eine neonbeleuchtete Unterwelt, in der Glamour seine Unschuld abgestreift hat und gelernt hat zu schwitzen. Wenn der Vorgänger noch im Sonnenlicht glänzende Eleganz ausstrahlte, lebt dieses Album in der Zeit nach Mitternacht dort, wo Stroboskope Gesichter verwischen und jede Oberfläche sich einen Hauch zu nah anfühlt. Hier gibt es eine bewusste Verschiebung der Temperatur: kältere Synth-Strukturen, schwerere Bassfundamente und ein Puls, der weniger nach Feier und mehr nach Hingabe an den Rhythmus klingt. Die Eröffnung etabliert sofort diese veränderte Schwerkraft. „What’s His Name“ stellt sich nicht vor, sondern gleitet unbemerkt in den Raum und übernimmt ihn langsam. Die Produktion ist glatt, aber von einer gewissen Rauheit überzogen, mit Basslinien, die wie instabile Erinnerungen schwanken, und Vocals, die zwischen Flirt und Verhör pendeln.


Direkt danach vertieft „(Trip) Unravelling“ den Nebel und verbindet emotionale Zersplitterung mit Clubrhythmus – weniger eine Erzählung als ein treibender innerer Monolog. Im Mittelteil entfaltet das Album seine körperliche Identität. „Causing A Commotion (Liquid Latex Version)“ lebt von Spannung und Entladung, gebaut für Bewegung, die eher instinktiv als geplant wirkt. Der Groove ist greifbar, fast elastisch, während die Hooks sich wie wiederkehrende Gedanken in einem überfüllten Raum festsetzen. Im Gegensatz dazu zieht sich „Invention (Liquid Latex Version)“ nach innen zurück und legt unter der tanzbaren Oberfläche etwas Verletzlicheres und Offeneres frei. Gerade als sich eine gewisse Vorhersehbarkeit einschleichen könnte, beginnt das Album sich selbst zu destabilisieren. „There Goes The Neighbourhood“ erscheint wie ein Flackern im Spiegel vertraute Formen, die sich ins Unheimliche verzerren.



Der Track ist verspielt, aber unter der Oberfläche liegt eine leichte Unruhe, als würde er seine eigene Umgebung live auseinanderziehen. Im letzten Abschnitt, besonders in Stücken wie „Forget The Trend“, wirkt das Werk weniger wie eine Sammlung einzelner Songs als vielmehr wie eine durchgehende Nacht, die sich nicht auflösen will. Alles verschwimmt: Begehren, Exzess, Introspektion und Bewegung. Die Produktion setzt auf Überlagerung statt Klarheit, sodass sich Texturen ineinander verlieren. Am Ende funktioniert „LIQUID. LATEX. DISCO. DADDY.“ weniger als Fortsetzung, sondern als Transformation. Es greift Clubkultur nicht nur auf, sondern verzerrt sie, dehnt sie und bricht sie durch einen dunkleren emotionalen Filter. Übrig bleibt ein Album, das sich nicht wirklich beendet, sondern sich auflöst mit dem Gefühl, einen Ort erlebt zu haben, der laut, intim und leicht unwirklich war.





SCHRIFTSTELLER: Carl

 
 
 

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